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Nachsaat im Grünland – kleine Maßnahme, große Wirkung

Ein leistungsfähiger Grünlandbestand ist die Grundlage für hochwertiges Grundfutter und niedrige Futterkosten. Mit zunehmendem Alter nehmen jedoch unerwünschte Arten zu, die Grasnarbe verfilzt oder es entstehen Lücken. Die Nachsaat bietet hier eine kostengünstige Möglichkeit, Bestände zu verjüngen, Lücken zu schließen und die Futterqualität zu steigern – ohne die Risiken einer Neuansaat.

Übersaat oder Durchsaat – welche Methode passt?

Die Wahl der Methode hängt vom Zustand der Grasnarbe ab.

Übersaat eignet sich zur vorbeugenden Bestandspflege bei weitgehend intakter Narbe.

  • Saatstärke: 5–10 kg/ha je Durchgang
  • Ziel: Lücken schließen, Narbe verdichten
  • Voraussetzung: offene Lücken, keine starke Verfilzung

Die Ausbringung kann z. B. mit Streuer, Drillmaschine oder über Gülle erfolgen. Entscheidend ist guter Bodenschluss, idealerweise durch anschließendes Anwalzen.

Durchsaat wird eingesetzt, wenn der Bestand stärker verjüngt werden muss.

  • Saatstärke: 20–25 kg/ha
  • Intervall: alle 3–5 Jahre
  • Ziel: deutliche Verbesserung der Artenzusammensetzung

Meist dominiert Deutsches Weidelgras. Durch die offene Narbe steigt jedoch das Unkrautrisiko – frühe Folgeschnitte sind daher wichtig.

Nachsaattechniken im Überblick

Je nach Zielsetzung, Technik und Bestandszustand stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung:

  • Düngerstreuer/Schneckenkornstreuer
    Einfache und kostengünstige Methode mit guter Verteilgenauigkeit. Das Saatgut liegt überwiegend auf der Oberfläche, daher ist ein guter Bodenschluss (z. B. durch Walzen oder Nutzung) entscheidend.
  • Striegel mit Säaggregat
    Öffnet die Grasnarbe und bringt das Saatgut gleichmäßig aus. Gute Kombination aus Narbenpflege und Saatgutablage.
  • Striegel mit Zinkensaat (z. B. Güttler)
    Das Saatgut wird durch die Zinken direkt in die Narbe eingearbeitet, was den Bodenschluss und den Feldaufgang verbessert.
  • Durchsaatmaschinen (z. B. Vredo, Köckerling)
    Schlitzablage des Grassaatguts direkt in die Narbe, Reihenabstand ca. 7,5–10 cm, häufig mit integrierter Walze. Besonders effektiv bei stärker geschädigten Beständen, ideal in Kombination mit vorherigem Striegeln.

Vorteile der Nachsaat gegenüber Neuansaat

  • Erhalt von Befahrbarkeit und Trittfestigkeit
  • Kaum Futterausfall
  • Geringeres Etablierungsrisiko
  • Weniger Verunkrautung
  • Deutlich geringere Kosten

Der Konkurrenzdruck der Altnarbe lässt sich durch kurze Schnitthöhen, frühe Nutzung und angepasste Düngung reduzieren.

Erfolgsfaktoren

  • Bestand erhaltungswürdig und Nutzung angepasst
  • Lücken vorhanden oder aktiv geschaffen
  • Narbe vor und nach der Saat kurzhalten
  • Frühe und häufige Nutzung
  • Schröpfschnitt zur Unkrautkontrolle
  • Zurückhaltende Düngung (max. 30 kg N mineralisch)
  • Möglichst keine Gülledüngung im Ansaatjahr

Der richtige Zeitpunkt

Nachsaat ist von März bis September möglich, entscheidend sind Feuchtigkeit und Bodentemperaturen über 10 °C.

Frühjahr: sinnvoll bei Winterschäden, jedoch hohe Konkurrenz und oft Säuberungsschnitt nötig
Herbst: meist günstiger durch geringere Konkurrenz und bessere Feuchtigkeitsbedingungen; Saat bis spätestens Mitte September

Wie viel Saatgut?

Die Saatstärke richtet sich nach dem Lückenanteil:
Lückenanteil (%) ÷ 2 = kg Saatgut/ha
Beispiel: 15 % Lücken → ca. 7,5 kg/ha.

Fazit

Die Nachsaat ist ein wirkungsvolles Instrument zur Erhaltung leistungsfähiger Grünlandbestände. Regelmäßige Nachsaat, der richtige Zeitpunkt und angepasstes Management sichern hohe Erträge, gute Futterqualität und niedrige Kosten – oft mit erstaunlich großer Wirkung.